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Ackern

Weit verbreitet im deutschen Sprachgebrauch bezeichnet das Wort ackern im Wesentlichen eine besonders schwere Form von Arbeit. Der Bezug zur Landwirtschaft ist offensichtlich, war und ist doch teilweise noch heute die Bestellung eines Ackers eine durchaus mühevolle Tätigkeit, die gerade auch körperlich sehr anstrengend und kräftezehrend ist. Im Mittelhochdeutschen, ähnlich wie die Verschiebung von Nomen zu Verben im Englischen, hat sich die Wendung den Acker bestellen im Laufe der Zeit verkürzt zu dem reinen Verb ackern und fand von dort dann den Einzug in den allgemeinen Sprachgebrauch, um als Synonym für harte Arbeit zu dienen. Im Ursprung war es aber auch eine Art Sammelverb für all die Einzeltätigkeiten, die in der Landwirtschaft und besonders der Ackerbewirtschaftung, aber auch bis heute im Garten anfallen. So gehören pflügen, eggen, pflanzen und ggf. auch ernten allesamt zum Konstrukt des Ackerns. Eine Einschränkung erfährt diese Bedeutung allerdings in der Geschlechteranwendung. Denn tatsächlich bezieht sich das Wort ackern lediglich auf die schwere körperliche Seite der landwirtschaftlichen Arbeit und ist daher traditionell den Männern vorbehalten. Die weibliche Seite der Landarbeit fand sich in den körperlich vermeintlich weniger belastenden Tätigkeiten der Aussaat und leichten Ernte (Getreide sicheln, Garben binden, etc.) wieder.

Interessant ist der Umstand, dass sich kein anderes, auf ein bestimmtes Tätigkeitsfeld bezogenes Wort aus der Vorzeit der Agrargesellschaft erhalten zu haben scheint, was nahelegt, dass der soziale Einschnitt durch die gesellschaftliche Entwicklung von den teilnomadischen Jägern und Sammlern hin zu den lokal verwurzelten Bauern so substanziell war, dass er nach einem Neologismus zur Bezeichnung schwerer, körperlicher Arbeit verlangte. Obgleich wohl der heimische Garten zur Selbstversorgung als Keimzelle der späteren Großlandwirtschaft angesehen werden kann, etablierte sich in der folgenden Ausdifferenzierung von Landnutzung auch ein gewisses Geschlechterrollenbild. So ist die Bestellung eines großen Ackers traditionell eher Männerarbeit, die Gestaltung eines nunmehr heimischen Ziergartens Aufgabe der Frau. Dementsprechend findet sich das Verb ackern auch vornehmlich im maskulinen Vokabular wieder, ungeachtet der Tatsache, dass sich die Arbeitsbelastungen beider Kultivierungsformen allenfalls im Maßstab, nicht aber zwingend der Art nach unterscheiden. Die geschlechtsspezifische Trennung der Kultivierungsformen ließ aber wiederum auch eine Entwicklung zu, die andernfalls in dieser Form vielleicht nicht stattgefunden hätte. Denn die in den Hausgarten verbannten Frauen konnten sich nun einer gewissen Gestaltung hingeben und trugen so ihren Teil zur Herausbildung des herrschaftlichen Ziergartens bei, welcher sich zu den heute bekannten Parkanlagen weiterentwickelte.

Quellen:

Duden: Stichwort ackern. Online unter: http://www.duden.de/rechtschreibung/ackern (zuletzt abgerufen am 16.04.2016)

Klein, Ernst: Geschichte der deutschen Landwirtschaft. Ein Überblick. Stuttgart 1969.

Küpper, Heinz: Art. Ackern. In: Ders.: Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache, Bd. 1. Stuttgart 1982, S. 86-87

Lorenz-Schmidt, Sabine: Vom Wert und Wandel weiblicher Arbeit. Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in der Landwirtschaft in Bildern des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit. Stuttgart 1998

Seifert, Alwin: Gärtnern, Ackern – ohne Gift. München 1971

 von Korbinian de Lappé

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