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Chemie und Gentechnik

Wachstumsmittel für den grünen Daumen?!

Klar, wer will ihn nicht, den perfekten Garten voll knospender, unberührter Blüten, fröhlich flatternder Schmetterlinge und idyllischem Vogelgezwitscher? Wie oft sieht es denn auch anders aus? Unsere liebevoll aufgezogenen zarten Salatblätter angeknabbert, die duftenden Rosen von Ungeziefer durchsetzt! Der sprichwörtliche grüne Daumen ist nicht jedem/r Gärtner_in gegeben, und so legen viele unter ihnen gegen Schädlinge und Unkraut übereilt Hand an Pestizide (Herbizide und Insektizide) – und tun sich damit keinen Gefallen. Der Eingriff der aggressiven Chemie kann auch Nützlinge töten und liefert somit die Grundlage dafür, dass sich neue Schädlinge ungehindert ausbreiten, ein unglücklicher Kreislauf beginnt. Um den grünen Daumen (an)wachsen zu lassen, gehen andere Gärtner_innen wiederum divergent vor. Sie versuchen, dem Schädlings- und Wachstumsproblem mit Bioanbau und der Rückbesinnung auf Bauernregeln – bspw. Pfefferminze als Schutz des Kohls vor Kohlweißling – beizukommen.

Was und wie wir anpflanzen und essen, sagt sehr viel über uns selbst aus, da man „Ernährung als eine Form des sozialen Handelns und als ein kulturelles System“ auffassen kann, in welchem das Essen selbst als Kulturgut zu betrachten ist. Was wir essen und was nicht, was wir zum Anbau verwenden und was nicht, lässt in uns lesen wie in einem offenen Buch.

Wo sich schon im heimischen Garten die Geister über die „richtigen“ Anbaumethoden scheiden, tun sie es auch im großen Kontext der globalen Landwirtschaft als Ausdruck unterschiedlicher Wertvorstellungen. Kein Konzern ist zum Beispiel so verhasst und umstritten wie Monsanto. Der Saatguthersteller stand lange als Anbieter von DDT, einem Insektizid, das reihenweise Fische und Vögel tötete, und dem berüchtigten Agent Orange in der Kritik. Heute dreht sich im Mega-Konzern alles um Gentechnik – forciert wird damit ein Krieg der Ideologien. Verteidiger des Eingriffs in pflanzliches Erbgut argumentieren mit Hunderten Millionen Hungernden weltweit und einem Rückgang der Anbauflächen, was herkömmliches Produzieren erschwere, Gegner_innen beklagen die agrarindustrielle Monokulturproduktion und den ungewissen Ausgang der Gentechnik, Stichwort Frankenfood.

Was und wie wir in unserem Garten anpflanzen, wie wir unseren grünen Daumen fördern wollen, ob wir auf chemische Mittel oder biologisch veränderte Substanzen zurückgreifen oder ob es doch der Griff zu den Hausmittelchen von Opa ist, wir offenbaren damit auch immer einen Teil unserer Gesinnung. Ob es nun die Sichtweise Monsantos ist, oder die der Öko-Aktivist_innen der 1970er Jahre – Essen is(s)t Kultur.

Quellen:

Buchter, Heike: Bösewicht will Welt retten. In: DIE ZEIT Nr. 49/2015, 17.12.2015 online unter: http://www.zeit.de/2015/49/monsanto-gentechnik-image-big-data

Giersch, Thorsten: „Der Konzern, der die Welt vergiftet – oder rettet“ online unter: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/monsanto-der-konzern-der-die-welt-vergiftet-oder-rettet/6802928.html

Greenpeace: Pestizide außer Kontrolle online unter: https://www.greenpeace.de/themen/landwirtschaft/pestizide

Lemke, Harald: Politik des Essens. Wovon die Welt von morgen lebt. Bielefeld 2012

Tolksdorf, Ulrich: Nahrungsforschung. Aktualisiert von Brigitte Bönisch-Brednich. In: Rolf W. Brednich (Hrsg.): Grundriß der Volkskunde. 3. Aufl. Berlin 2001, S. 239-254

Umweltbundesamt: Chemie im Garten, nein danke! online unter: http://www.umweltbundesamt.de/themen/chemie-im-garten-nein-danke

von  Milena Rabe

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