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Dünger

Liebe und Luft – wenn’s doch so einfach wäre. Damit uns der heimische Garten auch gefällt und sich die farbenfrohe Flora entfaltet, greifen wir immer wieder zu Dünger. Ob dieser nun synthetischer Mineral- oder Naturdünger ist (zum Beispiel aus organischen Naturstoffen wie Mist, Jauche oder Gülle), Pflanzen müssen mit genügend Nährstoffen versorgt sein, um ausreichend wachsen zu können.

Dass eine so profane Substanz wie Dünger von globaler Bedeutung sein kann und Bindeglied internationaler Beziehungen, zeigt sich in seiner historischen Betrachtung. Wie und wann genau das Düngen anfing, ist nicht ganz klar. Schon im Mittelalter führten die Bauern ihren Feldern vermutlich wachstumsfördernde Gaben (etwa Mergel, Dung und Mist) zu, aber erst um 1800 wurde das Streuen zum Studienobjekt. Im Zuge der Entstehung moderner Naturwissenschaft beschäftigten sich Chemiker mit dem Boden und seinen Nährstoffen, und entdeckten, dass es ratsam wurde, der Erde „fremde“ Nährstoffe beizugeben.

Guano (Vogelkot) und Salpeter wurden fortan aus dem fernen Südamerika herangeschifft, um die kleinen Höfe in Norddeutschland zu versorgen. Holsteinische Zeitungen wie etwa die „Dithmarscher Blätter“ zeugen von dieser Entwicklung: Dort wurden „‘echter peruanischer Guano‘, garantiert mit 12 bis 15 Prozent Stickstoff und ‚bester Chili-Salpeter‘“ feilgeboten. In den 1880ern ging der Trend zum internationalen Wirtschaften gar noch weiter: Hamburger Reeder ließen neue Stahlsegler mit bis zu fünf Stahl-Masten bauen, um das stürmische Kap Hoorn umsegeln zu können. Und andersrum florierte der Handel ebenso: Deutschland unterhielt bis zum Ersten Weltkrieg das weltweite Kalisalz-Monopol und exportierte weltweit. Der immer andersartiger werdende Dünger war nicht länger „nur“ ein bäuerliches Thema, sondern auch ein ökonomisches und globales.

Dünger zeigt: selbst in unscheinbaren Alltagsdingen steckt nicht nur ein funktionaler Zweck, sondern immer auch ein Mehrwert, ein kleines Detail, das oft große Auswirkungen hat und bedeutungsschwer für seine Nutzer_innen sein kann. So wie der Guano, der 1885 für den norddeutschen Bauern Hans-Friedrich Müller das weitentfernte Südamerika ein Stück weniger fremd hat werden lassen.

Quellen:

Internetauftritt der Düngemittelfirma Oscarna online unter: http://www.oscorna.de/unternehmen_geschichte.html

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen: Düngung online unter: https://www.umwelt.nrw.de/laendliche-raeume-landwirtschaft-tierhaltung/acker-und-gartenbau/pflanzenproduktion/duengung/

Nissen, Nis R.: Landwirtschaft im Wandel. Natur und Technik einst und jetzt. Heide (Holstein) 1989

von Milena Rabe

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