Einkochen

Aus dem Garten in die Vorratskammer

Die Rückbesinnung auf den klassischen Gemüsegarten, wie ihn „Oma“ nutzte, liegt wieder im Trend. Einfache Kulturtechniken, wie das Nähen, Filzen, Gärtnern und Einkochen sind selbst in Großstädten moderner denn je. Trotzdem ist der Anteil der eigens erwirtschafteten Lebensmittel aus dem Garten stark zurückgegangen. In kargen Zeiten lieferten Nutzgärten den Hauptanteil der eigenen Versorgung. Heutzutage spielen ökonomische Intentionen keine Rolle mehr beim eigenen Anbau im Gemüsegarten. Der Trend zum ökologischen Bewusstsein, der „Bio-Boom“ und die Hinwendung zur Nachhaltigkeit fungieren als mögliche Anreize. Auch die Bewegung an der frischen Luft und andere sinnliche und seelische Erfahrungen stellen einen für den Stadtmenschen wichtigen aktuellen Motivationsgrund dar. Nimmt man die Akteure in Augenschein fällt auf: vor allem jüngere, gebildete und ökologisch orientierte Bürger_innen nutzen den Gemüsegarten als Freizeitort. Sie zeigen durch ihr Handeln Alternativen zu Kapitalismus und Globalisierung auf, die sich mit der individuellen Freizeitgestaltung als Abgrenzung zum stressigen Alltag in der Stadt vereinbaren lassen.

Der Nutzgarten grenzt sich in seinem Aufgabenbereich vom Ziergarten ab, der eine in erster Linie ästhetische Funktion einnimmt. Ersterer dient vor allem zum Anbau von Obst- und Gemüsesorten, die für den Eigenbedarf und nicht für den Verkauf gedacht sind. Um nur eine kleine Auswahl an geernteten Obst und Gemüsesorten zu nennen stellen Äpfel, Kohl, Kräuter, Bohnen, Lauch, Kartoffeln, Möhren, Kirschen, Birnen, Kürbis, Schwarzwurzeln, Salat, Tomaten und Rote Beete beliebte Nutzpflanzen dar.

Da die frische Ernte im eigenen Obst- und Gemüsegarten meist sehr reichhaltig ausfällt, greifen die Gärtner_innen auf zahlreiche Konservierungsmethoden zurück. Zu den etwas älteren Verfahren gehört das Einkochen. Bei dieser Methode werden Obst und Gemüse in Gläser gefüllt – wobei möglichst wenige Hohlräume entstehen sollen – und je nach Geschmack mit Wasser, Essig, Zucker, Salz und anderen Gewürzen aufgegossen, verschlossen und anschließend gekocht. Dabei dehnt sich der Gläserinhalt aus und ein Vakuum entsteht. Die Siedetemperatur im Glas steigt auf 100°C und das abgefüllte Obst und Gemüse wird somit sterilisiert. Auf diese Art und Weise kann man große Mengen reifer Ernte für lange Zeit haltbar machen. Obst und Gemüse aus dem Garten lassen sich ebenfalls in Öl oder Essig einlegen oder beispielsweise mit modernen Dörrverfahren trocknen. Das in der heutigen Küche elementarste Konservierungsverfahren ist das Einfrieren, das in den 60er Jahren durch die Gefriertruhe erstmals auftauchte. Moderne Gärtner_innen haben auf diese Weisen das ganze Jahr über die Möglichkeit, ihr eigens angebautes und geerntetes Obst und Gemüse zu verspeisen.

von Denis Okatan

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