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Feste im Garten

Ganz allgemein lässt sich sagen, dass ein Fest ein ganz besonderes, aus dem Alltag herausgehobenes, Ereignis ist, an dem Menschen aus gesellschaftlichen, religiösen oder anderen Gründen zusammenkommen und gesellig sind.

Zum Garten lassen sich allerhand Informationen finden, entscheidend für die Thematik Fest/Fete/Feier/Party dürfte der Umstand sein, dass Gärten häufig einem gesellschaftlichen, künstlerischen und spirituellen Zweck dienen. Freizeitgestaltung und Erholung im Garten sind heutzutage mindestens so wichtig wie der Ertrag, der aus einem Nutzgarten gezogen werden kann.

Man kombiniere die Komponenten von Garten + Fest = Gartenfest.

Feste im Garten sind eine tolle Sache und jeder liebt sie. Egal wo man herkommt oder wie alt man ist: Die Akteure bei Gartenfesten könnten kaum unterschiedlicher sein. Beispielsweise kommen in einer Schrebergartengemeinschaft Jung, Alt, Familien und Alleinstehende zusammen, um gemeinsam Zeit zu verbringen, zu grillen und den zu Tag genießen. Vereinsfeste dienen darüber hinaus der Gemeinschaftsförderung und finden deshalb in aller Regelmäßigkeit statt. Ganz getreu dem Motto, man solle die Feste feiern, wie sie fallen, können die Festanlässe bei den Kleingärtner_innen dabei äußerst vielfältig sein. Andere feiern Geburtstage, Hochzeiten, Namenstage, Ostern oder sogar Weihnachten (wenn das Wetter mitspielt) im Garten. Dieses kleine oder auch größere grüne Idyll stellt für viele Menschen einen sehr besonderen und wichtigen Raum für den sozialen Austausch und einen Kommunikationsort dar.

Die Untersuchung des Gartens als eine Art Projektionsfläche stellt ein spannendes kulturanthropologisches Forschungsfeld dar. „Nützlich und schön soll der Garten sein. […] In einem allgemeinen Sinne […] tritt damit eine mythisch-archetypische Vorstellung von Garten zutage, die seit der Kunde vom Garten Eden die verschiedensten Ausprägungen […] gefunden hat.“

Für die historische Anthropologie ist insbesondere die Entwicklung der Funktion und des Nutzens von Gärten oder Parks von großem Interesse. Während Parks im 19. Jahrhundert größtenteils noch eine rein repräsentative Funktion hatten, entdeckte daraufhin das Bürgertum die Grünanlagen für sich, um dort Feste auszutragen. In vielen Teilen Deutschlands wurden Parks erst nach der Fürstenenteignung im Jahre 1926 öffentlich und damit für jedermann zugänglich, was wiederum die Bedeutung der Parks und Gärten veränderte. So lassen sich an der Entwicklung von Gärten und Parkanlagen auch gesellschaftliche Veränderungen ablesen, fällt hier doch die Öffnung der Gärten mit politischen Umbrüchen und einer vielfältigeren Freizeitgestaltung seit den 1920er Jahren zusammen.

Eine sehr einfache, aber äußerst schöne Form des Gartenfestes besteht darin, Freunde zu treffen und gemeinsam im Garten zu grillen. Sobald die Temperatur im Frühjahr die 20 Grad übersteigt und es einigermaßen trocken ist, kann man ihn wieder überall wahrnehmen: den Geruch nach Grill, nach Freiheit, nach einem Gartenfest.

Quellen:

Glaser, Hermann: Schreber- und Nutzgarten. Das Nützliche und das Schöne. In: Hans Sarkowicz (Hrsg.): Die Geschichte der Gärten und Parks. Frankfurt a.M. 1998, S. 277-289

Grimm, Jacob/Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Bd. 4. München 1984. (Artikel „Garten“, o.A., Sp. 1386-1401)

Internetpräsenz des Landesbund der Gartenfreunde Hamburg E.V.: Leitbild online unter: https://www.gartenfreunde-hh.de/ueberuns/leitbild/ (Stand: 29.06.2016)

Internetportal des Duden: Bedeutungen des Wortes „Fest“ online unter: http://www.duden.de/rechtschreibung/Fest (Stand: 29.06.2016)

Meinel, Gertraud: Garten, Gärtner. In: Enzyklopädie des Märchens. Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung. Bd. 5. Berlin 1987, Sp. 699-711

Newall, Venetia: Fest. In: Enzyklopädie des Märchens. Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung. Bd. 5. Berlin 1987, Sp. 1035-1043

Verk, Sabine: Laubenleben. Eine Untersuchung zum Gestaltungs-, Gemeinschafts- und Umweltverhalten von Kleingärtnern. Münster/New York 1994

Wiggershaus, Rolf: Garten und Park der Gegenwart. In: Hans Sarkowicz (Hrsg.): Die Geschichte der Gärten und Parks. Frankfurt a.M. 1998, S. 290-304

von Giulia Fanton

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