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Gießkanne

Ein harter, brutaler Strahl schreckt die Röschen auf, Margeriten lassen ihre Köpfe hängen und die Stängel der Tulpen brechen gar ab: das Werk des Gartenschlauchs. Wie viel sanfter, eleganter und feiner dagegen verhält sich die Gießkanne? Das Bewässerungsinstrument lässt durch seine effiziente Gestalt (Gefäß, Tülle, Brausestück und Griff) einen zarten künstlichen Regen über die Pflanzen tropfen, duscht die grünen Lebewesen freundlich ab.

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Vor Jahrhunderten schon nässten Menschen ihre Gärten, mal mit Tontöpfen, mal mit Eimern. Die Weiterentwicklung zur englischen Gießkannen-Version (runder Korpus, Querbügel) und zur französischen, die sich mit der ovalen Form und einem Längsbügel näher am Körper tragen lässt, erfüllt heute zahlreiche Funktionen. Denn Alltagsgegenstände wie die Gießkanne sind und bleiben nicht immer dasselbe. So wie Plastiktüten zum winterlichen Rodeln genutzt werden können, so wie Brillen als Brennglas dienen, so wie Kochtöpfe zum „Topfschlagen“ beim Kindergeburtstag genutzt werden, so verhält es sich auch mit der Gießkanne. Denn Sachen, so stellt es sich aus kulturanthropologischer Perspektive dar, sind „nichts anderes als eingefrorene Handlungen“, sind „Materialisierungen von Ideen, Handlungen und mentalen Prozessen“ und damit für Umdeutungen und Nutzungsvarianten offen.

Längst sind also auch die aus unterschiedlichen Materialien bestehenden Kannen, die zwischen einem halben und zehn Litern fassen, nicht mehr nur für die Bewässerung von Pflanzen zuständig. Auf Tankstellen findet man sie manchmal als Kühlwasserbehältnisse und bei der Jagd verwendet man sie tatsächlich zum Nachahmen des rotwildschen Röhrens. Mag man es auf den ersten Blick nicht glauben, auch die Musikforschung könnte heute Gefallen finden an dem langlebigen Gartengerät. Denn neben populären Tanzformen, Karaoke oder Volksliedern im Wandel der Zeit etc. stehen natürlich auch Musikinstrumente in ihrem Fokus: Zweckentfremdet wirkt die klassische Gießkanne heute nämlich nicht nur als Deko oder Sportinstrument, findige Musiker probieren sich an ihr vielmehr auch virtuos. Das Gartengerät, das eigentlich doch nur transportieren und wässern sollte, gibt, als Blasinstrument genutzt, interessante Klänge von sich, die sich von herkömmlichen Tönen unterscheiden. Entfremdet von seiner ursprünglichen Funktion, kann aus dem blechernen Garteninstrument also auch ein avantgardistisches Instrument von Populärkultur werden. Die Nutzer_innen machen’s möglich.

Quellen:

Internetpräsenz des Gießkannenmuseums Gießen online unter: http://giesskannenmuseum.de/museum.html.

Korff, Gottfried: Sieben Fragen zu den Alltagsdingen. In: Gudrun M. König (Hrsg.): Alltagsdinge. Erkundungen der materiellen Kultur. Tübingen 2005, S. 29-42

Schepping, Wilhelm: Lied- und Musikforschung. In: Rolf W. Brednich (Hrsg.): Grundriß der Volkskunde. Einführung in die Forschungsfelder der Europäischen Ethnologie. 3. Aufl. Berlin 2001, S. 587-616

von Milena Rabe

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Giftpflanzen

… sind aufgrund ihres Gehaltes an giftigen Substanzen, schädliche Pflanzen. In den letzten Jahrhunderten war Gift ein viel genutztes (Selbst-)Mordwerkzeug, das heimtückisch und lautlos tötete, allerdings sind die meisten giftigen Pflanzen gleichzeitig auch Heilpflanzen, in angemessener Dosierung also Arzneimittel. Dies wusste bereits der Arzt Paracelsus im 15. Jahrhundert: „Alle Dinge sind Gift und nichts ohne Gift, allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“ (Paracelsus 1538)

engelstrompete-gifte-3So wie die traditionelle Pflanzenheilkunde ist auch das dazugehörende Teilgebiet der Giftpflanzen von essentieller kultureller Bedeutung. In der Mythologie wird beispielsweise Gift häufig als Strafe für bestimmte Missetaten angewandt. Bei indigenen Gruppen in Südamerika wird bis heute das Pfeilgift Curare zur Jagd verwendet oder giftige Pflanzen werden im Rahmen schamanischer Rituale angewandt. Die Bedeutung von Gift und Giftpflanzen für eine Gesellschaft hängt also auch davon ab, wie häufig und zu welchen Zwecken sie im Alltag eingesetzt werden. Dabei spielen nicht nur medizinisch-biologische Faktoren, sondern auch kulturanthropologische Ansätze eine Rolle, wenn es etwa um die Symbolkraft bestimmter Gifte in Erzählungen geht.

Klassische Beispiele für medizinisch genutzte Gifte sind das Digitalis aus dem Fingerhut (Herzmittel), Morphin aus dem Schlafmohn (Schmerz-, Betäubungsmittel), Colchicin aus der Herbstzeitlose (Krebs, Gicht) und Atropin aus der Tollkirsche (in der Augenheilkunde und bei Vergiftungen). Sie sollten nur nach einer Verschreibung durch einen Arzt oder eine Ärztin angewandt werden. Welche Mengen eines Wirkstoffes bei einem Menschen schädlich oder gar tödlich wirken, ist unter anderem abhängig von dessen Alter, Konstitution und Gesundheitszustand, aber auch von dem Teil der Pflanze und der dortigen Konzentration des Wirkstoffs.

Viele Pflanzen haben sowohl giftige als auch ungiftige Teile oder können nach geeigneter Behandlung (z.B. Abkochen) genießbar werden. Beispielsweise kann man aus dem Samenmantel der Eibe Marmelade kochen, während sämtliche anderen Pflanzenteile äußerst giftig sind. Auch grüne Bohnen oder Holunderbeeren, die in roher Form giftig sind, werden in gekochtem Zustand bekömmlich. Zu den giftigen Zimmer- und Gartenpflanzen gehören unter anderem Amaryllis (Ritterstern), Weihnachtsstern, Schefflera (Strahlenaralie), Eibe, Efeu, Goldregen, Ruhmeskrone, Rhododendron, Becher-Primel, Dieffenbachie, Korallenbäumchen, Buchsbaum, Kartoffel, Tomate, …

Quellen:

Das grosse illustrierte Gesundheitslexikon. Herausgegeben vom Verlag für Wissen und Bildung. Gütersloh 1971

Hartmann, Andreas: Art. Gift. In: Enzyklopädie des Märchens, Bd. 5. Berlin/New York 1987, Sp. 1235-1240

Heilkräuter-Seiten: Kräuterlexikon – 700 Heilpflanzen. Online unter: http://heilkraeuter.de/index.htm (zuletzt abgerufen am 19.07.2016)

Informationszentrale gegen Vergiftungen Bonn. Online unter: http://www.gizbonn.de/?id=284 (zuletzt abgerufen am 19.07.2016)

Maier, Ursula: Giftpflanzen – beschauen nicht kauen! Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.). Informationsschrift. Duisburg 2011

Marzell, Heinrich: Geschichte und Volkskunde der deutschen Heilpflanzen. St. Goar 2002

Morales, Helen: Griechenland. In: Arthur Cotterell (Hrsg.): Mythologie. Götter, Helden, Mythen. Durch die Zeiten und Kulturen. Bath 2011

Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. Herausgegeben von Willibald Pschyrembel. 260., neu bearbeitete Aufl. Berlin 2004

von Jessabelle Gleich

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Grillen

Kaum steigen die Temperaturen wieder, finden sich die ersten Grill-Fans im Freien ein, um ihrem alljährlichen Lieblingshobby nachzugehen. So trifft man sich mit Freund_innen, um in geselliger Runde Zeit miteinander zu verbringen und sich der gemeinschaftlichen Nahrungszubereitung zu widmen. Grillen ist Trend, jede_r ist Spezialist_in. So gibt es auch zahlreiche Regeln und Tipps bezüglich des richtigen Grills, des perfekten Zubehörs und der entsprechenden Zubereitungsart. Jede_r Grillmeister_in hat persönliche Vorlieben: Ob Kugel oder offen, direktes oder indirektes Grillen. Traditionalist_innen greifen zur Holzkohle, wobei das Grillgut unmittelbar über der heißen Glut zubereitet wird, was den typisch rauchigen Grillgeschmack liefert. Zeit-Rationierer_innen bevorzugen mitunter den präzisen und verbrauchsarmen Gasgrill. Eine weitere Alternative bietet das dritte, vergleichsweise günstige Grillsystem: Der Elektrogrill. Benötigt wird lediglich eine Steckdose und durch die geringe Rauchentwicklung lässt er sich problemlos auch auf dem Balkon im Mehrfamilienhaus einsetzen. Konkrete Fragen nach dem Wo, Wann und Wie oft werden von den immissionsschutzrechtlichen Bestimmungen des jeweiligen Wohnortes geregelt. In Bonn gilt beispielsweise Folgendes: Das „vielfach übliche Grillen im Freien (ist) zulässig, wenn es von einzelnen Personen nur gelegentlich durchgeführt und zeitlich beschränkt wird und wenn dafür gesorgt wird, dass die unvermeidbaren Geruchsemissionen nicht konzentriert in die Wohn- oder Schlafräume von Nachbarn eindringen“. Wer keinen Garten oder Balkon hat, kann vielerorts auf öffentliche Grillplätze, wie etwa im Bonner Freizeitpark Rheinaue, zurückgreifen. Unabhängig von der gewählten Zubereitungsart, birgt das gemeinsame Essen ein grundsätzliches Potenzial zur Schaffung und Stärkung des Gemeinschaftsgefühls. Anhand ritualisierter Handlungen werden Ideen und Wissen weitergegeben und ausgetauscht.

Nicht nur im Privaten oder kleinen Kreis, sondern auch im Rahmen größerer Handlungsräume kann der Grill zum Symbol prozessualer Vergemeinschaftung werden. So bieten beispielsweise der Essensstand auf dem lokalen Stadtfest oder das Grillfest in der Kleingartenkolonie nicht nur die Möglichkeit der Nahrungsaufnahme, sondern gleichermaßen Möglichkeiten des Zusammenkommens und Kennenlernens. Je nach Lokalität und beteiligten Akteur_innen, entsteht beim Grillen im Freien jedoch ein Spannungsfeld zwischen freundschaftlichem Miteinander einerseits und potenziellen Konflikten mit Nachbar_innen oder weiteren Nutzer_innen von Naherholungsgebieten andererseits.

Quellen:

Altmeyer, Hans; Klein, Angelika (Hg.): Basics Außenarbeiten – Hof & Garten. Freiburg 2015

Grillen – Sommerzeit ist Grillzeit: In: Landlust Juli/August 2010, S. 50-57

Hillwig, Daniel: Wie grille ich richtig? online unter http://www.wie-grille-ich-richtig.de/

Methfessel, Barbara: Fachwissenschaftliche Konzeption. Soziokulturelle Grundlagen der Ernährungsbildung. Paderborn 2005

Mutz, Sarah: Grillen wird zum Müllproblem. In: General-Anzeiger, 31.07.2014 online unter http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/stadt-bonn/Grillen-wird-zum-M%C3%BCllproblem-article1416015.html

Stadt Bonn: Grillen im Freien online unter https://www.bonn.de/rat_verwaltung_buergerdienste/ buergerdienste_online/buergerservice_a_z/00611/index.html?lang=de

Stadt Bonn: Grillplätze in Bonn und Umgebung online unter https://www.bonn.de/rat_verwaltung_buergerdienste/buergerdienste_online/buergerservice_a_z/01152/index.html?lang=de

von Nadine Kittelberger

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