Klostergärten (Kurzüberblick)

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Mönchtum und monastische Autarkie

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Das Mönchtum bezieht sich auf Antonius den Großen, der um das Jahr 300 lebte und ein asketisches Leben in der Wüste führte. Eine erste allgemeine Kodifizierung erfuhr das entstehende Mönchtum durch den Italiener Benedikt von Nursia, der während seines Lebens um das Jahr 500 die Regula Benedicti verfasste, welche das monastische Leben organisierte. Bezugnehmend auf Antonius ordnete Benedikt das Mantra ora et labora ganz bestimmten Handlungen und Aufgaben zu. Dazu gehörte auch die Einrichtung einer Gartenanlage, falls möglich innerhalb der Klostermauern, sodass sich die Brüder ganz unabhängig von der Außenwelt dem Dienste an Gott widmen konnten.

Anlage des Klostergartens

P1010150Der Klostergarten lässt sich in vier Bereiche einteilen. Die beiden ältesten sind dabei der Gemüse- und der Obstgarten. Beide dienten besonders der Eigenversorgung des Klosters und seiner Bewohner_innen. So diente der Obstgarten zumeist auch als Friedhof, was das Gedeihen der Obstbäume förderte. Der Gemüsegarten war grundsätzlich in Parzellen und oft in Hochbeeten angelegt. Die Parzellierung hatte mithin symbolischen Charakter, da sich die Wege zwischen den Beeten kreuzten und die Ordnung der Schöpfung verdeutlichen. Der so entstehende Kreuzgang entwickelte sich im Laufe der Zeit auch zu einem eigenständigen Teil des Klostergartens, dem Lustgarten; dazu unten mehr. Die Hochbeete hingegen hatten gleich mehrere praktische Nutzen, da sich die Wärmeverteilung in ihnen günstiger gestaltete und auch Fressfeinde, sowie Unkrautsamen nur schwer bis gar nicht in die Beete eindringen konnten.

Um der christlichen Wohltätigkeit nachkommen zu können, wurden im weiteren Verlauf der Entwicklung des Klostergartens auch Kräutergärten angelegt. Die Kräuterkunde der benediktinischen Nonne Hildegard von Bingen aus dem 12. Jahrhundert zeigt die besondere Bedeutung dieser Gärten in Bezug auf die klösterliche Heilkunde auf. Neben auch heute noch gängigen Kräutern und Heilpflanzen wurden besonders stark riechende Gewächse kultiviert, wozu auch Rosen oder Lilien gehörten, welche dann beispielsweise als Schnittblumen in Hospitälern und Hospizen ausgelegt wurden. Der Gedanke dahinter war die Vorstellung von aus der Erde – genauer aus der Unterwelt oder Hölle – aufsteigenden giftigen Dämpfen. Jene sollten für allerlei Übel, wie Krankheiten verantwortlich sein und mittels des Klostergartens bekämpft werden. Durch die immer weiter reichende Vernetzung der Orden gelangten auch vormals fremdländische Pflanzen in die Klöster, wie beispielsweise Fenchel oder Liebstöckel und trugen zur Unheilsbekämpfung bei.

IMG_20130909_120744_739Aus den Kräutergärten entwickelte sich schließlich mit den Lustgärten der vierte Bereich des Klostergartens. Während Gemüse- und Obstgärten im Zeichen der labora (Arbeit) und die Kräutergärten dem Zwecke der caritas (Nächstenliebe) gewidmet waren, fand in den Lust- oder Ziergärten nun die ora (Gebet) ihre Manifestation. Sie dienten folglich vor allem der Kontemplation, der Meditation und dem Gebet. Während Gemüse- und Obstgärten der allgemeinen Landwirtschaft entlehnt waren, standen die klösterlichen Kräutergärten später Pate für Universitäten und das aufkommende Apothekenwesen, während die Lustgärten von Adel und Bürgertum übernommen und weiterentwickelt wurden. Besonders in Deutschland sind Klostergärten in ihrem eigentlichen Sinne heute kaum noch vorhanden, was besonders auch mit dem Aussterben des Mönchstums zu tun hat. In ländlicheren Gegenden und weniger industrialisierten Ländern, wo durchaus auch mit religiösem Tourismus Einnahmen erzielt werden, findet man aber den traditionellen Klostergarten bis heute.

von Korbinian de Lappé

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