Renaissance-Gärten

IMG_20160408_170843_047Gärten und Parks sind allerorts lebendige Elemente im Stadtbild und werden immer wieder neu angelegt. Die ästhetische Gestaltung bezieht jedoch nicht nur ihre Nutzung mit ein, sondern richtet sich auch nach Mode und Zeitgeist. Diese privaten und öffentlichen Grünflächen sind somit ein Spiegel der Gesellschaft. Hier kommt zum Ausdruck, wie die momentane Einstellung zur Natur ist, außerdem repräsentiert die Gestaltung die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse. Die Geschichte der Gartenkunst kann man grob in drei Epochen zusammenfassen: Gärten der Renaissance und des Barock, sowie Landschaftsparks englischer Prägung.

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Da die ersten Renaissancegärten ihren Ursprung im Italien des 15. Jahrhunderts haben, werden sie auch italienische Gärten genannt. Die geistige Strömung des Humanismus, eine Rückbesinnung auf die Werte, Formen und Denksysteme der Antike beherrschte das damalige Weltbild. Der Humanismus idealisierte Gartenanlagen als Lebensräume in Anlehnung an einen idyllischen Ort der Besinnung und Erholung, an das Goldene Zeitalter und den daraus folgenden Rückzug des Bürgertums ins Ländliche. Ästhetisches Merkmal ist, dass der an eine Villa oder ein Schloss angrenzende Garten großflächig geometrisch unterteilt ist. Die einzelnen Bereiche, die sowohl aus Nutz-, als auch aus Lustgarten bestehen, streben ein ästhetisches Gleichgewicht zwischen Natur und Architektur an. Ein Renaissancegarten soll etwas Ideales, Harmonisches darstellen, das der Muße, Zerstreuung und Entfaltung dient, aber auch repräsentativ für Besucher offensteht.

Hans von Trotha beschreibt einen solchen Garten:

„Betrachtet man einen idealen Renaissancegarten, so sieht man einen Raum, in dem Architektur, Kunst, Natur und Landschaft ein harmonisches Ganzes bilden, um dem Menschen den idealen Raum für seine Entfaltung zu geben: zum Verweilen, zur Lektüre, für die Kunst, für die Liebe, zum philosophischen Gespräch, zur Erholung, dazu er selbst zu sein oder zu werden. Das ist eine Vorstellung vom Paradies, die um die Vorstellung vom Menschen im Paradies erweitert ist – ein zutiefst humanistischer und gleichzeitig zutiefst religiöser Gedanke.“

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Im Humanismus des 14. und 15. Jahrhunderts galt es das Erbe der Antike mit modernen Staats- und Glaubensideen zu verbinden und auch die ästhetischen Aspekte sollten den Bedürfnissen des Individuums untergeordnet werden. Ein Kunstwerk, wozu der Garten zählte, diente der Sinneslust, der geistigen Bildung und Erbauung. Als allgemeine, idealtypische Stilelemente finden klassische Ordnungsstrukturen, wie Symmetrien, Kreis- und Eckformen Verwendung. Die geometrische Unterteilung erfolgt durch eine zentrale Mittelachse und perspektivische Fluchtlinien. Aus diesen ergeben sich meist vier rechteckige, an das Gebäude angrenzende Parterres, deren einzelne Carrés ebenfalls geometrisch strukturiert sind. Häufig wurden Renaissancegärten terrassenförmig angelegt, was eine Gestaltung mit Wasserspielen, Symmetrieachsen und Perspektiven vereinfachte. Weitere Stilelemente sind beispielsweise Pergolen, Treppen, Skulpturen, Wasserbassins und künstliche Grotten. Bei der Bepflanzung sind Knoten-Parterres, Rabatten, Topiaria, Hecken und Alleen vorzufinden.

Parterre:

Anordnung von Beeten, die durch ein einfaches Wegesystem unterteilt und unmittelbar vor der Gartenfront des Hauptgebäudes angelegt sind. Sie sind meist mit Blumen und anderen niedrigen Pflanzen in geometrischen Mustern bepflanzt, können aber auch mit ornamentalen Rasenmustern gestaltet sein.

Topiaria:

Die Kunst des Baum- und Buschbeschnitts

Beispiele für Renaissance-Gärten:

Villa d`Este in Tivoli, Villa Medici in Castello/Florenz, Villa Lante in Bagnaia, Cortile de Belvedere im Vatikan, Château de Villandry, Schloss Heiligenberg inNeufra, Leonberger Pomeranzengarten.

von Jessabelle Gleich

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