Urban Gardening

Lokaler Gemüseanbau als politischer Akt

 „Ich lebe nicht von Beton und nicht von Autos. Ich lebe davon, dass die Welt gesund und grün ist. Also verändere ich die Welt.“

Regionaler Lebensmittelanbau, Umweltschutz, Gemeinschaft und politische Teilhabe – all das sind Schlagworte, die eng mit Urban Gardening verbunden sind. Urban Gardening versteht sich nicht als eine bestimmte Form von Gärtnern – Urban Gardening ist ein Konzept, das sich seit Beginn des 21. Jahrhunderts zunehmend in den Großstädten der Welt ausbreitet. Dabei wird leerstehendes Brachland im urbanen Raum zu nutzbaren Grünflächen umgewandelt.

Ob Kiezgarten, Urban Farming, Generationengarten, Frauengarten, Window bzw. Vertical Gardening oder Guerilla Gardening – allen Ausdrucksformen liegt ein neues Selbstverständnis von Stadt und Urbanität zugrunde. Das oftmals dichotom gedachte Verhältnis von Kultur und Natur wird neu verhandelt und die Grenzen zwischen beiden Räumen verschwimmen. Ebenso spielt das Zusammenleben in der Stadt eine zentrale Rolle und durch das Gärtnern in der Gemeinschaft sollen neue Ausgangssituationen für Partizipation geschaffen werden. Somit ist urbanes Gärtnern vor allem soziales Gärtnern.

Darüber hinaus thematisieren Urban Gardening-Aktivist_innen gesellschaftlich relevante Themen wie die globale Nahrungsmittel- und Ressourcenknappheit und verstehen den lokalen Gemüseanbau als Ausgangspunkt für ihr politisches Handeln. Durch die Reproduktion von Saatgut, die Kultivierung alter Pflanzensorten und den Anbau von lokalem und saisonalem Gemüse soll ein Gegenpol zur industriellen Nahrungsmittelproduktion und der neoliberalen Ordnung der Gesellschaft gesetzt werden. Die Fokussierung auf Regionalität soll zudem der Ausbeutung südlicher Entwicklungsländer entgegenwirken und auf die, durch (Kosten-)Auslagerung der Nahrungsmittelproduktion bedingten, prekären Situationen dieser Länder hinweisen.

Ebenso ist Mobilität für viele Urban Gardening-Projekte ein wichtiges Thema. Äußert sich diese bei mancher Initiative im Aufstellen von mobilen Pflanzkisten und Hochbeeten, so ist die Mobilität bei Guerilla Gardening-Aktivist_innen das Handlungskonzept. Hier werden keine festen Räume dauerhaft beansprucht und kultiviert, sondern die Akteur_innen verwandeln – scheinbar spontan – jede sich anbietende Ritze zwischen Kopfsteinpflaster oder Gullideckel in eine grüne Oase.

von Laura Esser

Lesen Sie hier die Version mit Quellen- und Literaturangaben

Advertisements