H wie…

Hängematte

Die Hängematte besteht aus Netz- oder Tuchgewebe und ist ein Ruhe- bzw. Schlafplatz. Sie wird zwischen zwei Befestigungspunkten aufgespannt, sodass eine Liegefläche entsteht. Die Hängematte wurde in Mittel- und Südamerika als Schlafstätte zum Schutz vor Schmutz sowie vor gefährlichen Tieren, wie zum Beispiel Schlangen, erfunden. Auch in der Schifffahrt wurde die Hängematte aufgrund ihrer platzsparenden Eigenschaften und ihrer ausbalancierenden Bewegungsmöglichkeit eingesetzt. Mittlerweile ist die Hängematte weltweit verbreitet und wird hauptsächlich zur Entspannung sowie zum Schlafen eingesetzt. Besonders im Garten, aufgespannt zwischen zwei Bäumen, bietet die Hängematte eine beruhigende Oase.

Es ist allerdings nicht zu bestreiten, dass die meisten Menschen in unseren Gefilden nach wie vor das feststehende Bett bevorzugen. „Die Nutzung des Bettes ist in ganz erheblichem Maße sozial und historisch bestimmt“ und so verwundert es nicht, dass beispielsweise für die Deutschen – die seltenst von Giftschlagen bedroht werden und sesshaft leben – die Hängematte nicht zum bevorzugten Schlafplatz wurde. Allerdings hat sich auch im Feld der volkskundlich-kulturanthropologischen Forschungen die Art zu schlafen verändert: Vom Bett im niederdeutschen bäuerlichen Hallenhaus, das von mehreren Personen gleichzeitig genutzt wurde, über die Schlafgänger mit schichtweiser Bettenbelegung im Ruhrgebiet hin zur heutigen Diversifizierung mit Boxspring-, Wasser- oder auch Pflegebetten.

Quellen:

Korff, Gottfried: Einige Bemerkungen zum Wandel des Bettes. In: Zeitschrift für Volkskunde 77 (1981), S. 1-16

Internetpräsenz der Firma Garten & Freizeit: Gartenmöbel Shop. Hängematten und Hängesessel online unter: http://www.garten-und-freizeit.de/liegen/haengematten-und-haengesessel

Informationsportal zur Hängematte haengematte.org: Die Geschichte der Hängematte online unter: http://www.haengematte.org/geschichte.html

von Lena Hölzer

Lesen Sie hier die Version mit Fußnoten


(Heil-)Kräuter und Gewürze

Seit Tausenden von Jahren sind Kräuter und Gewürze nicht nur Nahrungs-, sondern auch Heilmittel. Die ersten Aufzeichnungen zur Kräuterkunde reichen bis ins 3. Jahrtausend vor Christus zurück. Schon Hildegard von Bingen (1098-1179) gab in ihren Schriften das Wissen um die Heilkräfte vieler Kräuter wieder. Die traditionelle Pflanzenheilkunde ist, wie beispielsweise Mythologie, Sprache, Religion, Landwirtschaft oder Botanik von essentieller kultureller Bedeutung. Sie ist vor allem ein kulturelles Phänomen und jede Kultur besitzt ihr eigenes Paradigma, was Pflanzen, Gesundheit, Kräuterkunde oder Heilung betrifft.

Als Gewürze, zu denen Kräuter zählen, werden küchensprachlich Pflanzen bezeichnet, deren Blätter, Blüten, Früchte, Rinden oder Wurzeln frisch oder getrocknet, aufgrund ihres Aromas als würzende und geschmacksgebende Zutaten zu Lebensmitteln verwendet werden. Mit ihren wohlriechenden und -schmeckenden Aromen tragen Gewürze und Kräuter wesentlich zum Vergnügen beim Essen bei, es kommt nur darauf an, sie am richtigen Ort und in der richtigen Dosis anzuwenden.

Einige dieser Pflanzen sind Heilpflanzen, besitzen also auch eine pharmakologische Wirkung. Bereits die Babylonier, Ägypter und andere frühe Hochkulturen wandten gezielt Kräutertherapien gegen Krankheiten an. So verfasste beispielsweise schon Hippokrates, der den Meisten aufgrund des „Hippokratischen Eides“ bekannt ist, im 5. Jahrhundert vor Christus ein Grundwerk der Medizin, in das er Kräuterpräparate zur Unterstützung des Heilprozesses miteinbezog. In Europa waren es vor allem die Klöster, die das Wissen um Heilkräuter pflegten. Kräuterrezepte sind nicht nur auf Speisen beschränkt, sondern finden sich auch für die verschiedensten Salben, Tinkturen, Tees und anderen Getränke und vor allem auch in der Naturkosmetik. Heutzutage erfreuen sich die alternativen Heilmethoden immer größerer Beliebtheit. Viele Menschen stehen der Schulmedizin skeptisch gegenüber und suchen nach sanfteren, naturnahen, ungefährlicheren und vor allem auch billigeren Verfahren. Viele dieser Erkenntnisse wurden mittlerweile von der Wissenschaft bestätigt, beispielsweise dass verschiedene Gewürze den Appetit anregen und die Verdauung unterstützen (Fenchel, Kümmel, Chili, Dill). Auch antibiotische, antiseptische (Lauch, Knoblauch, Zwiebel, Ingwer, Salbei) und schmerzlindernde Wirkungen (Nelken, Arnika, Johanniskraut) sind bekannt. Auch wenn bei normaler Anwendung Kräuter und Gewürze verträglich und nützlich sind, kann auch hier zu viel davon schaden.

Quellen:

Kissel, Renate: Gewürze & Kräuter. Künzelsau 1998

Storl, Wolf-Dieter: Kräuterkunde. Das Standardwerk zur Kräuterkunde. Bielefeld 2012

Storl, Wolf-Dieter: Die alte Göttin und ihre Pflanzen. Wie wir durch Märchen zu unserer Urspiritualität finden. München 2014

von Jessabelle Gleich

Lesen Sie hier die Version mit Fußnoten


Hühner

Hahn 1

Frei nach dem Motto „Früh mit den Hühnern zu Bette. Auf mit dem Hahn um die Wette“, kommt dem morgendlichen Krähen des Hahns unter anderem auch in Erzählungen ein besonderer, fast nostalgischer Stellenwert zu. Es vermag Kindheitserinnerungen auszulösen oder auch einfach an ein gemütliches Leben auf dem Land, fernab von dem Stress der Großstadt, erinnern. Ob geleitet von eben diesen Assoziationen, zu Hobby- oder Zuchtzwecken oder dem Wunsch nach Subsistenzproduktion, die Haltung von eigenen Hühnern erfreut sich großer Beliebtheit. Dies ist kein neues Phänomen, denn „Hühner werden im Unterschied zu vielen Haus- und Heimtieren […] seit etwa 4000 Jahren vor allem aus nützlichen Erwägungen gehalten und gezüchtet“. Als Nutztiere weisen Haushühner eine vielseitige wirtschaftliche Verwendbarkeit auf, sie liefern Eier, Federn und Fleisch. Je nach Haltungszweck, kann man heutzutage zwischen etwa 150 existierenden Hühnerrassen wählen. Halter_innen müssen dafür nicht notwendigerweise auf dem eigenen Bauernhof leben, ein entsprechender Bereich im eigenen Garten reicht bereits aus, um den Plan in die Tat umzusetzen und eine kleine Gruppe Hühner halten zu können. Damit eine artgerechte Haltung ermöglicht werden kann, sollte ausreichend Platz für einen Stall und einen Auslauf (etwa 10 m² pro Huhn) vorhanden sein. Hühner sind Allesfresser, werden aber im Wesentlichen mit Körnern und Getreide, Grün- und Saftfutter, zum Beispiel Löwenzahn oder Salat, sowie tierischem Eiweiß in Form von Kleingetier, zum Beispiel Regenwürmer, gefüttert.

Huhn 1Im Jahr 2013 gab es weltweit etwa 20,89 Milliarden Hühner, 122 Millionen Tiere allein in Deutschland, wovon ein Großteil in landwirtschaftlichen (Groß-)Betrieben gehalten wird. Im Gegensatz zur privaten Haltung, steht hierbei vor allem die gewinnbringende Nutzung der Tiere im Vordergrund. Dementsprechend wurden im Laufe der letzten Jahre immer wieder Forderungen nach Reformen in der Nutztierhaltung gestellt. So stand beispielsweise die konventionelle Käfighaltung von Legehennen in der Kritik, zu der das Bundesverfassungsgericht 1999 feststellte, dass „sie in herkömmlichen und ausgestalteten Käfigen tierquälerisch ist und abgeschafft werden“ müsse. Eine entsprechende Regelung trat in Kraft und bis 2025 (in Härtefällen 2028) soll die Käfighaltung komplett abgeschafft werden. Ebenso umstritten ist die Haltung von Masthühnern: Knapp 77 Prozent aller Fleischrassen leben in Betrieben, wo sich häufig tausende Tiere in Bodenhaltung ein Gehege ohne entsprechenden Auslauf teilen müssen. Durch entsprechendes Futtermittel erreichen sie nach etwa einem Monat ihr Mastgewicht, um Krankheiten vorzubeugen, werden sie vorsorglich mit Antibiotika behandelt. Diverse Tierschutzverbände fordern eine Anpassung der Haltungsweisen sowie ein Umdenken der Konsumenten hinsichtlich übermäßigen Fleischkonsums. Angesichts des Zuwachses an Vegetariern, Veganern und Bio-Konsumenten im Laufe der letzten Jahre, lassen sich erste Erfolge verzeichnen, zumindest aus gesellschaftlicher Perspektive. Und wer es sich platzmäßig leisten kann, wird eventuell ebenfalls das Huhn im eigenen Garten in Betracht ziehen.

Quellen:

Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt: Käfigfrei online unter https://www.albert-schweitzer-stiftung.de/kampagnen/kaefigfrei

Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt: Masthühner online unter https://www.albert-schweitzer-stiftung.de/kampagnen/masthuehner

Brednich, Rolf Wilhelm: Enzyklopädie des Märchens/6. Gott und Teufel auf Wanderschaft – Hyltén-Cavallius: Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung. Göttingen 1990

de.statista.com: Hühnerbestand weltweit in den Jahren 1961 bis 2013 online unter http://de.statista.com/statistik/daten/studie/28766/umfrage/huehnerbestand-weltweit-seit-1990/

de.statista.com: Hühnerbestand in Deutschland und der Europäischen Union in den Jahren 1990 bis 2013 online unter http://de.statista.com/statistik/daten/studie/28769/umfrage/ huehnerbestand-im-vergleich-deutschland-und-eu-seit-1990/

Peitz, Beate; Peitz, Leopold; Bauer, Wilhelm: Hühner in meinem Garten. Alles über Haltung und Ställe. Stuttgart 2012

Röhrich, Lutz: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten/ 2. Han bis Sai. Freiburg 1992

von Nadine Kittelberger

Lesen Sie hier die Version mit Fußnoten


Gehe direkt zu

A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z

Advertisements