Schlossgarten in Brühl

Bedeutung und Nutzen des UNESCO-Weltkulturerbe-Titels für den historischen

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Die kulturanthropologische Bedeutung des Gartens

Die Einordnung einer Garten- oder Parkanlage besteht nicht nur aus der Klassifizierung nach Epochen, Kunst- oder Architekturformen. Ein Garten, mit all seinen Elementen, ist mit einem Anliegen, einer Nutzung und einer Funktion verbunden. „Als komplexe Gesamtkunstwerke definieren sie die Schnittstelle zwischen Natur und Kultur“ und spiegeln in ihrer Anlage die ästhetischen, geistigen, philosophischen und machtpolitischen Tendenzen ihres Zeitgeistes wider. Neben der ästhetischen Funktion, Schönheit, Gefühl und Atmosphäre zu vermitteln, erfüllen sie vor allem eine kulturelle, pädagogische und soziale Funktion. Sie stellen einen Ort der Begegnung, Kommunikation und Interaktion dar und sind so kulturkonstituierende Räume des Alltags.

Der Garten, in all seinen Facetten, hat für die Menschen über alle Kulturgrenzen hinweg seit jeher einen wichtigen Stellenwert. In erster Linie in Form des Gartenbaus, um Nahrungs- und Heilmittel zu sichern, aber auch als allgemeinmenschliches Bedürfnis, das je nach Epoche oder Örtlichkeit, unterschiedlich kulturell geprägt und ausgelebt wird. Neben den biologischen und physiologischen Grundbedürfnissen, wie dem Verlangen nach Bewegung, Luft zum atmen, Sicherheit und Zugehörigkeit, ermöglicht ein Garten darüber hinaus auch individuelle Verlangen, wie ästhetische und kognitive Bedürfnisse oder den Wunsch nach Selbstverwirklichung und Transzendenz.

Schon Theodor Heuss stellte 1914 fest: „Der Weg durch die Geschichte des Gartens wird zu einer Wanderung durch den Garten der Geschichte.“ So gewähren uns sowohl Gemeinschaften, Familien und Völker, als auch Einzelpersonen durch ihre Gärten einen Blick in ihr Inneres. Man kann soziale und private Gewohnheiten, Eigenschaften, Lebensstile, Denkweisen, politische oder wissenschaftliche Interessen seines Schöpfers erkennen und dadurch auch seinen spezifischen Charakter erfassen. Darüber hinaus ist er Ausdruck und Darstellung des gesellschaftlichen und politischen Lebens und dessen Wandlungen im Geschmack, Naturempfinden und der geistigen Strömungen.

Durch seine gesamte Geschichte hindurch wird der Mensch von Gärten begleitet. Angefangen mit dem ersten Garten, dem Paradies, bis hin zum etwas anderen, letzten Garten des Lebens, dem Friedhof. Er Ein Garten bildet symbolisch ein Stück der (Ideal-)Welt seines Schöpfers ab. Die vielfältigen Funktionen einer Garten- oder Parkanlage befriedigen zahlreiche menschliche Grundbedürfnisse. Beispielsweise das Bedürfnis nach frischer Luft, Bewegung, Erholung, Sicherheit, Transzendenz und Rückzug, aber auch nach Kommunikation, Ästhetik, Zugehörigkeit und neuen Erfahrungen. So wird der Garten, als kulturell und sozial funktionstragender Raum, immer bedeutender und verschiedenste Gartenthemen erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Es besteht großes Interesse am verantwortungsbewussten, nachhaltigen Umgang mit der Natur. Themen zu Nutzgärten, alten Rezepten und Lebensmittelverarbeitung erleben momentan eine Renaissance. Ebenso beliebte Themen sind altes Heilwissen und Kräuter, was auch dazu führt, dass viele Klostergärten restauriert und Besuchern zugänglich gemacht werden. Das Interesse für historische Gärten und das damalige gesellschaftliche Naturverständnis und -verhältnis lockt immer mehr Besucher auch zu Gartenreisen, hier vor allem in Großbritannien und Frankreich.

Doch was genau macht nun einen Garten historisch und zu einem wertvollen Erbe? Welche Bedeutung und welchen Nutzen hat der Titel „UNESCO-Weltkulturerbe“ für solch einen historischen Garten? Im Falle des Brühler Schlossparks ist es vor allem die Beispielhaftigkeit seiner barocken Gestaltung und Architektur, sowie die geringfügige Veränderung dieser Anlage in ihrer Geschichte. Der Wert eines Gartens aber besteht aus einer Kombination mehrerer Elemente. Beispielsweise Gartenarchitektur, Landschaftsgestaltung, Gartenkünstler oder andere Personen, die mit dem Garten in Verbindung stehen, botanische Sammlungen oder Züchtungen. Auch wenn ein Urteil über den historischen Wert eines Gartens subjektiv ist, so gibt es doch kulturübergreifende Gemeinsamkeiten, was als schön, idealtypisch oder nützlich empfunden wird. In den Gärten spiegeln sich Sehnsüchte, Vorstellungen des Paradieses, Ideale, Sozialmodelle, Machtverhältnisse, Mode, Kunst, Philosophie, Politik und Wissen der entsprechenden Epochen und ihrer Gesellschaften. Durch den Erhalt und die Pflege dieser Aktionsräume wird Kultur und Geschichte erfahrbar, nachvollziehbar und kommunizierbar.

Der (Barock-)Garten als kulturell funktionstragender Raum

Gärten und Parks sind lebendige Elemente im Stadtbild, die sich immer wieder verändern und neu angelegt werden. Ihre ästhetische Gestaltung bezieht sich nicht nur auf ihre Nutzung, sondern richtet sich vor allem nach Mode und Zeitgeist. Sowohl private, als auch öffentliche Grünflächen sind ein Spiegel der Gesellschaft, ihrer Einstellung zur Natur und der herrschenden politischen und sozialen Verhältnissen.

Der Garten ist ursprünglich als ein Raum definiert, der eingezäunt den Menschen schützt. Innerhalb seiner Grenzen möchte der Mensch sein Verständnis des Grunddualismus von Natur und Kultur gegenständlich und symbolisch ausdrücken, es visualisieren und definieren. Indem er einen kleinen Teil der Natur einfriedet und nach seinen Vorstellungen gestaltet, festigt er dieses Verständnis und den Sinn seines geschaffenen Raumes. In diesem performativen Akt schafft der Mensch sich einen Mikrokosmos um seine Welt und seine Existenz zu konkretisieren. Aus solch einem kleinen Raum kann er die Welt besser verstehen und „ihr einen übergreifenden Sinn zuordnen“.

Charakteristisch verkörpert jeder Garten die Verbindung zwischen natürlich Gegebenem und vom Menschen Geformtem. Er ist, laut Michel Foucault, eine sogenannte Heterotopie. Im Gegensatz zur Utopie ist dies ein wirklicher, nach außen wirkender Raum. Es ist eine Bezeichnung für Räume, die auf andere Weise wirken, „ohne jedoch gezielt auf diese Wirkung hin angelegt worden zu sein“. Ein Ort, der in besonderer Weise gesellschaftliche Verhältnisse reflektiert, indem er, als Gegenplatzierung, die Kultur repräsentiert, negiert oder umkehrt. Aufgrund sowohl fester, als auch sich wandelnder Elemente entstehen verschiedenste und teils einander widersprechende Sinngebungen. So bietet ein Garten oder Park vielfältige Erfahrungs- und Interpretationsmöglichkeiten. Er ermöglicht kulturelle Kommunikation und den Austausch mit anderen mittels gestalterischer Symbolik.

Die Sehnsucht der Menschen nach dem Paradies wird durch die Konzeption und Anlage der Gärten sichtbar. Die gestalterischen Theorien und ihre Inszenierungen im Landschaftsbild sollen das Verlangen der Menschen nach dem „Mythos Arkadien“, einem traumhaften Ort der Glückseligkeit und der Zuflucht, abbilden. 2Die geometrischen Gartenanlagen des Barock sind vor allem Ausdruck des Selbstverständnisses der absolutistischen Herrscher. Ihre Macht und Herrschaft wurde durch die Gestaltungsdisziplin der „Gartenkunst“ ideal verkörpert. Sie entstand im 17. Jahrhundert als eigenständige Kunstgattung, als die Mathematik als „Königin der Künste“ galt, mit deren Hilfe die Natur geordnet, vermessen und strukturiert werden konnte. Die Gartenkunst war also ein systematisches Hilfsmittel, um die wilde Natur zu beherrschen und zu unterwerfen. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff „Gartenkunst“ fast nur noch rückwärtsgewandt, auf historische Gartenanlagen bezogen und durch Bezeichnungen wie „Landschaftsarchitektur“ oder „Freiraumplanung“ ersetzt.

Der Garten erfuhr im Verlauf der verschiedenen historischen Epochen immer wieder dynamische Veränderungen. Ab dem 19. Jahrhundert entstand jedoch kein einheitlicher Gartentyp mehr oder eine neue Form der Gartenkunst. Von dem ursprünglichen, überschaubaren Raum des „Gartens als Mikrokosmos“, erweiterte sich das lebendige Erbe hin zu ganzen „Kulturlandschaften“. Sie sind das Ergebnis der Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur, das was durch menschliches Eingreifen in natürlichen Landschaften entstanden ist.

Der Titel „UNESCO-Weltkulturerbe“ für die Brühler Gartenanlage

Die United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO) hat als einzige UN-Organisation ein Mandat für Kultur. Sie setzt sich unter anderem für den Schutz und die Erhaltung kulturellen Erbes, die Bewahrung und Förderung der kulturellen Vielfalt und den Dialog zwischen den Kulturen ein. Basierend auf der 1972 ratifizierten Welterbekonvention vergibt die Organisation den Titel „Weltkulturerbe“ an Stätten, deren kulturelle Erzeugnisse einzigartig und weltbedeutend sind und deren3 Untergang einen unersetzlichen Verlust für die gesamte Menschheit bedeuten würde. Kriterien für die Anerkennung als UNESCO-Welterbe sind unter anderem der außergewöhnliche universelle Wert der Stätte sowie ein Managementplan, der die Erhaltung für zukünftige Generationen sicherstellt. Dem Schlossensemble mit seiner französischen Gartenanlage wird, gemäß der Konvention, ein beträchtlicher Einfluss auf die Architektur der Barock-/Rokokozeit im deutschen Kulturgebiet Rheinland zugesprochen.

Die Auszeichnung einer historischen Stätte zum Weltkulturerbe fördert nachhaltig den Tourismus der Region. Für über 30 Prozent der ausländischen Touristen, die Deutschland besuchen ist dieser Titel einer ihrer Gründe für eine Reise. Touristische Angebote bieten die Gelegenheit das kulturelle Erbe zu vermitteln und die finanziellen Einnahmen leisten einen wesentlichen Beitrag zur denkmalverträglichen Erhaltung der Welterbestätte.

Das Ensemble, bestehend aus dem Residenzschloss Augustusburg, dem Jagdschloss Falkenlust und deren gemeinsamer, 40 Hektar umfassenden Parkanlage, wurde 1984 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt und ist eines der frühesten und besterhaltenen Beispiele der Barock-Architektur des 18. Jahrhunderts. Aufgrund sachgemäßer Restaurierung und Pflege stellt der Park ein Denkmal der Gartenkunst von internationalem Rang dar. Das Gartenparterre gilt heute als das bedeutendste Beispiel französischer Gartenkunst außerhalb Frankreichs und hat wesentlich zur Anerkennung der Brühler Schloss- und Parkanlage als Weltkulturerbe der UNESCO beigetragen.

Aufgrund der hohen Qualität der Schlossanlage und ihrer historischen Bedeutung wurde sie zudem als Teil der „Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas“ klassifiziert. Des Weiteren ist die Gartenanlage ein Mitglied des „Europäischen Gartennetzwerkes (EGHN)“. Ziel dieses Netzwerkes ist es, den Erhalt von Parks, Gärten und Grünanlagen, die einen kulturellen Wert besitzen, zu fördern und sie für den Tourismus besser zu vermarkten.

Der Schlosspark als beispielhafte barocke Gartenanlage

4Ab dem Jahr 1725 schufen Johann Conrad Schlaun (Architekt), François de Cuvilliés (Baumeister, Stuckateur) und Dominique Girard (Gartenarchitekt) das Schlossensemble mit seiner Parkanlage. Ein Gesamtkunstwerk, das den Stilwandel vom (Spät-) Barock zum Rokoko zum Ausdruck bringt. Die Gartenanlage verfügt über wesentliche typische Barockelemente, weshalb sie heute zu einem der authentischsten Beispiele französischer Gartenkunst des 18. Jahrhunderts zählt.

Der Entwurf für den stimmungsvollen Schlosspark stammt von Dominique Girard, einem Schüler des berühmten Gartenarchitekten André Le Nôtre. Orientiert an dessen gartenkünstlerischen Motiven, wurde die Parkanlage 1728 nach französischem Vorbild von ihm angelegt. Der barocke Garten wurde, anders als bei vielen zeitgenössischen Schlössern, nicht axial der Hauptfassade, sondern an der Südfront des Schlosses angelegt. Dort befinden sich auch die Orangerie und der Jardin Secret. Herzstück des Gartens ist das kunstvoll mit Broderiebeeten und Wasserbassins gestaltete Parterre, das großzügig von einem Kanal umrahmt wird. Sorgfältig beschnittene, niedrige Buchsbaumhecken formen ornamentale Schwünge und Schleifen, die sich markant vom hellen Kies abheben. Eingefasst sind diese Broderiebeete von bunten Blumenrabatten, die von weiteren Buchshecken begrenzt werden. Der breite Weg, der die Mittelachse bildet, wird hinter den Beeten von einem großen Wasserbassin, dem5 Spiegelweiher, mit anschließendem Fontänenbecken, unterbrochen und führt weiter in den Waldbereich. Seitlich grenzen Lindenalleen das Parterre ein, diagonal von ihnen abgehende Wege bilden dreieckige Heckenquartiere, in welchen weitere, aber intimere Brunnen, Cabinets, Salons und Plätze versteckt liegen. Die Heckenanlagen bilden sowohl die Abgrenzung zu den anliegenden Bosketten, als auch den Übergang des streng geometrischen Barockgartens zum Bereich des Englischen Landschaftsparks. Dieser wurde 1842 von dem angesehenen Gartenkünstler Peter Joseph Lenné gestaltet. Er stellt mit seinen geschwungenen, unregelmäßigen Wegen einen starken Kontrast zum Parterre dar. Kleine Bäche, Wiesenflächen und Baumgruppen, sowie deren pittoreske, idyllische Wechsel, formen die Grundelemente der hier angewandten Gartenkunst. Der Schlossgarten verbindet die beiden konträren Gartenstile des 18. Jahrhunderts, Barockgarten und Landschaftsgarten, zu einem vielfältigen Zusammenspiel.

6Der Waldbereich weist die typische Gestaltung dieser Epoche auf. Das Wegenetz wurde für die Parforcejagd angelegt. Diese höfische Jagdmethode erforderte eine radiale Einteilung mit breiten, sternförmig angelegten Wegachsen, die auf das Residenz- und das Jagdschloss ausgerichtet sind. Dieser sogenannte Jagdstern ist eine typisch barocke Versinnbildlichung der absolutistischen Macht, da alle Wege und Sichtachsen vom Herrscher in alle Richtungen ausstrahlen. Den auffälligsten und ungewöhnlichsten Teil der Parkanlage stellt wohl die 1844 eröffnete Eisenbahnstrecke dar. Die Linie Köln-Bonn war eine technische Besonderheit und ein, im wahrsten Sinne des Wortes, einschneidendes Ereignis in der damaligen Zeit. Lenné bezog die Schienenstrecke und eine Eisenbahnbrücke in seine Gartengestaltung ein und führte sie mitten durch einen Parkbereich hindurch.

Bedeutung und Nutzen des UNESCO-Weltkulturerbe-Titels für den Tourismus und die Bevölkerung

Garten- und Parkanlagen stellen heutzutage „grüne Brücken zwischen den Kulturen“ dar. Als ästhetisch gestalteter Raum wird ein Schlosspark „über alle Kulturgrenzen hinweg als Ort der Schönheit“ empfunden. Die Gartenkultur eines Landes ist traditionell ein wichtiger Gradmesser für den Zustand einer Gesellschaft und ein lebendiger Vermittler des kulturellen Erbes. Die Gärten einer Stadt verkörpern das kulturgeschichtliche, ökologische und ästhetische Wissen einer Gesellschaft und werden dort dort dort dort in ihnen vermittelt.

Ein Schlosspark, wie jener in Brühl, bietet nicht nur den verschiedensten Kulturen einen Zugang, sondern ist auch allen Bevölkerungsschichten zugänglich. Hier ist ein friedliches Neben- und Miteinander aller sozialen und kulturellen Gruppen möglich, somit ist solch ein öffentlicher Garten traditionell ein Ort gelebter Toleranz. Ein Spaziergang in diesem dient sowohl der Erholung und dem Freizeitvergnügen, ist aber durch die aktive Rezeption kultureller Inhalte auch ein Ort der Wissensvermittlung. Die vielgestaltigen gesellschaftlichen und kulturellen Rezeptionsformen, die an solch einem Ort zusammenkommen, machen den Schlosspark zu einem herausragenden Beispiel für grenzüberschreitende und verbindende Kulturvermittlung und Kommunikation.

Der Titel eines UNESCO-Welterbes steigert die Attraktivität des Ortes bei ausländischen Besuchern. Die Tourismusbranche nutzt diese Tatsache zunehmend zur internationalen Vermarktung und konzipiert hierfür vielfältige Programme. Verschiedene Events wie beispielsweise Konzerte, Ausstellungen oder thematische Führungen sollen dazu beitragen, die Welterbestätte bekannter zu machen. Diese Gelegenheiten, das kulturelle Erbe bewusst erleben zu können, fördern das Verständnis der Besucher für den Erhalt des Kulturgutes. Finanzielle Einnahmen sind für die Pflege und Bewahrung der Welterbestätte, zu denen die Konvention verpflichtet, essentiell. Konservatorische Denkmalpflege und die Entwicklung nachhaltiger Tourismusprojekte gehen also Hand in Hand bei der Sicherung der Einzigartigkeit eines Kulturgutes für folgende Generationen.

Die Brühler Schlösser folgen diesem Nachhaltigkeitsprojekt, indem regelmäßig ein neues, abwechslungsreiches Begleitprogramm zur Sehenswürdigkeit konzipiert wird. Das Angebot richtet sich an alle Altersklassen und passt sich den Trends der, von schnellem Wandel geprägte Gesellschaft an. Momentan finden beispielsweise Schlosskrimis statt und aufgrund des veränderten und gesteigerten gesellschaftlichen Interesses an Gartenthemen gibt es auch separate Führungen durch die Garten- und Parkanlage. Die Natur stellt ein äußerst wirksames Marketingmittel dar. Der Zugang zu Grünflächen und die Möglichkeit, Gartenkultur erleben zu können, sind wichtige Elemente der Stadtkultur. Gärten und Parks sind maßgebliche Faktoren, die die Lebensqualität positiv beeinflussen. Sie laden zur Entspannung und zum Ausruhen inmitten gelungener Proportionen ein. Die Natur in den verschiedensten Facetten sinnlich zu erfahren ist ein Grundbedürfnis der Menschen, weshalb Aufenthalte und Veranstaltungen im Freien von großer Bedeutung sind und immer beliebter werden. Die Kreativität und Symbolhaftigkeit der Gartenanlage schafft einerseits Orte der Besinnung und Meditation, andererseits entsteht ein lebendiger Begegnungsraum mit großem Potential für dynamischen Austausch und Dialog zwischen Gesellschaften und Kulturen.

Die barocke Gartenanlage mit ihrem gepflegten Erscheinungsbild befriedigt ein weiteres Grundbedürfnis des Menschen. Das nach Sicherheit. Dies beschränkt sich nicht nur auf die Umzäunung der Anlage. Gerade durch die barocke, geometrische Gestaltung wird der Schlosspark als gebändigte und kultivierte Natur verstanden. Auch die Pflege der Parkanlage und das Vorhandensein von Parkregeln vermittelt Sicherheit und der Park wird als Ort, an dem man sich gefahrlos aufhalten kann empfunden.

Von der Aufmerksamkeit, die eine Stätte durch den Welterbetitel erlangt, profitiert nicht nur das Kulturdenkmal selbst, sondern die gesamte Region. Die Investitionen in die Kultur fördern nachhaltig Stadt- und Wirtschaftsentwicklung. Die gepflegte, öffentliche Parkanlage repräsentiert die Stadt, fungiert als Statussymbol und wirkt sich positiv auf ihr Image aus. Zwischen 1949 und 1996 wurden die Schlösser mit dem imposanten Parterre von der Bundesrepublik „als Bühne der Selbstdarstellung“ genutzt, um zahlreiche Staatsbankette abzuhalten. Heutzutage ist die kunstvoll inszenierte Natur zwar nicht mehr Ausdruck absolutistischer Macht und Herrschaft, wird aber durchaus genutzt, um sich zu Ansehen und Geltung zu verhelfen. Der gute Ruf der Stadt wird sowohl für internationale Besucher, als auch für die lokale Bevölkerung gesteigert. Es fördert deren sozialen Zusammenhalt und wirkt identitätsstiftend, weshalb man von einer besonderen Bedeutung und universellem Wert, sowohl für die deutsche Gesellschaft, als auch für die Menschen weltweit sprechen kann.

von Jessabelle Gleich

Lesen Sie hier die Version mit Quellen- und Literaturangaben

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