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Unkraut

Möchten Gärtner_innen ihren Garten am liebsten nur mit den von ihnen präferierten Pflanzen bewachsen sehen, so haben sie jedoch keine Chance gegen Unkraut. Auch wenn es durchaus als nützlich angesehen werden könnte – lockert es doch beispielsweise den Gartenboden auf, empfinden die meisten Gärtner_innen es als nichtgewollten Graus. Das sprichwörtliche Nicht-Vergehen des Unkrauts legt zudem nahe, dass selbigem ein hohes Maß an Durchhaltevermögen zugesprochen werden kann. Im Gegensatz zu seinem Wortnachbarn „Kraut“ wird ihm damit neben der Bezeichnung eines pflanzlichen Gewächses nicht das vermeintlich homogene und stereotypbehaftete Gewächs, welches als Bezeichnung für die Einwohnergruppe eines Landes verwendet wird, zugesprochen. Unkraut steht lediglich für Gewächse, welche naturgemäß wachsen und sich somit des kulturellen Einflusses eben jener gärtnernden „Krauts“ und ihrer deutschsprachigen Nachbar_innen sowie der Niederländer_innen weitestgehend entziehen. Denn das Wort Unkraut ist lediglich im Deutschen und im Niederländischen bekannt. Es stellt damit etymologisch gesehen eine starke Abgrenzung zwischen im Garten erwünschten und unerwünschten Pflanzen dar, denn durch die Voranstellung des negativ konnotierten Präfix‘ „Un“ wird das für Gärtner_innen nützliche Kraut zum unerwünschten Unkraut. Doch selbstverständlich widersetzt es sich auch anderssprachigen Gärtner_innen durch nahezu kafkaesken Wuchs, nur eben unter anderer Bezeichnung. Eben dieser Wildwuchs stellt für viele Gärtner_innen ein großes Problem dar, raubt das Unkraut doch den mit viel Liebe und Sorgfalt angepflanzten Blumen, Gemüsesorten oder Kräutern den Lebensraum. Quasi wie um seine widerständige Wirkung zu unterstreichen, zieht es das Unkraut vor, seine Wurzeln nach kürzester Zeit am bislang präferierten Ort wieder zu vernachlässigen und an anderer Stelle im Garten neu zu erscheinen und bringt somit die Gärtner_innen in die Bredouille, beziehungsweise erlegt diesen die permanente Notwendigkeit des Jätens auf. Es lässt sich festhalten, dass bislang kein Kraut gegen Unkraut gewachsen ist.

Quellen:

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Elfter Band. III. Abteilung Un-Uzvogel. Bd. 24. München 1984

Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS): Unkraut online unter: http://zwei.dwds.de/wb/Unkraut

Röhrich,, Lutz: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Bd. 3 Sal bis Z. Freiburg 1992

von Corinna Schirmer

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Urban Gardening

Der hier verwendete Anglizismus des Urban Gardening bezieht sich auf eine Form der Nutzung brachliegender Grünflächen in Großstädten zum Zwecke der Produktion regionaler Produkte. Gemeint ist damit in der deutschen Übersetzung städtisches Gärtnern – so wie es beispielsweise auch in der Ermekeilkaserne in Bonn praktiziert wird. Der dort zur Verfügung stehende Raum ist temporär unter anderem für Urban Gardening nutzbar, bis seine Verwendung anderweitig zugeschrieben wird. Hier wird auch die politische Dimension des Urban Gardening sichtbar, die unter anderem darin liegt, die Partizipation der Bürger_innen an Raumnutzungskonzepten im Rahmen zunehmender Globalisierung zu verstärken. Akteure dieses Konzeptes werden teilweise schon im Kindesalter angelernt und befinden sich somit in jeder Altersklasse. Die Art und Weise wie Urban Gardening betrieben wird, kann somit stark variieren: ob es sich um Gemeinschaftsgärten wie in der Ermekeilkaserne handelt, den eigenen kleinen Garten oder etwa Guerilla Gardening, eine Form des protesthaften Bepflanzens des öffentlichen Lebensraumes Stadt, ist dabei nebensächlich – Varianten gibt es viele. Ziel ist es, den Garten in die Stadt zu bringen. Urban Gardening dient hierbei unter anderem als Möglichkeit konkret auf persönliche oder globale Krisensituationen zu reagieren und sich politisch wie ethisch im Kleinen zu positionieren. Die Herkunft der urbanen Gärtner_innen ist ebenso nebensächlich, spiegelt sich allerdings bisweilen in der Art der Gartengestaltung und den angepflanzten Produkten wider. Die Intensität sowie Art und Weise des Gärtnerns der Teilnehmer_innen dieser Bewegung variieren ebenfalls stark und können mitunter durch außenstehende Betrachter_innen nicht genau nachvollzogen werden.

Quellen:

Ermekeilinitiative e. V.: Zwischennutzung online unter: http://ermekeilgarten.de/hintergrund/zwischennutzung/

Hörz, Peter F.N.: Wenn der Garten zum Hof wird – Hühnerhaltung in der Stadt. In: Gunther Hirschfelder et al. (Hg.): Was der Mensch essen darf. Ökonomischer Zwang, ökologisches Gewissen und globale Konflikte. Wiesbaden 2015, S. 193-209

Müller, Christa: Urban Gardening. Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt. 5. Aufl. München 2012

von Corinna Schirmer

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